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Jeder Zweite empfindet den Islam als Bedrohung

11 July 2019

Gütersloh - Der Islam stößt in Deutschland auf breite Vorbehalte: Jeder zweite nimmt ihn als Bedrohung wahr. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung auf Basis des repräsentativen «Religionsmonitors» hervor.

Diese Wahrnehmung sei seit einigen Jahren «relativ stabil verwurzelt». Auffällig: In Ostdeutschland, wo wenig Muslime leben, ist die Skepsis größer als im Westen. So wollen der Erhebung zufolge 30 Prozent im Osten und 16 Prozent im Westen keine Muslime als Nachbarn.

Mit Globalisierung und Zuwanderung habe auch die religiöse Pluralität zugenommen, heißt es in der Untersuchung. Diese Vielfalt bereichere die Gesellschaft, meint jeder zweite Befragte. Die Sicht auf Christentum, Buddhismus, Judentum und Hinduismus fällt hier mehrheitlich positiv aus. Aber: Beim Islam sagt nur ein Drittel, dass er bereichernd sei.

Die Zahl der Muslime in Deutschland wird auf knapp fünf Millionen geschätzt, mit etwa 1,5 Millionen leben unter den Bundesländern die meisten in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit gehören 44,8 Millionen Menschen der katholischen oder evangelischen Kirche an (2017).

Vorbehalte gegen den Islam seien allerdings nicht mit Islamfeindlichkeit gleichzusetzen, erläutert Yasemin El-Menouar, Religionsexpertin der Stiftung in Gütersloh. Als islamfeindlich einzustufen seien 13 Prozent der Befragten, die sich aktuell dafür aussprechen, die Zuwanderung von Muslimen zu stoppen - 20 Prozent in Ost- und 11 Prozent in Westdeutschland. Immerhin hätten das aber 2017 noch 20 Prozent befürwortet. Islamfeindliche Gesinnte lehnen häufig auch andere Minderheiten ab, wie die Analyse zeigt.

Woher kommt die breite Skepsis gegenüber dem Islam? «Offenbar sehen viele Menschen den Islam weniger als Religion, sondern vor allem als politische Ideologie», meint El-Menouar. Zudem werde der Islam in der Öffentlichkeit meistens in negativem Zusammenhang thematisiert. Studienautor Gert Pickel sieht mehrere Gründe. Berichte über islamistischen Terror und Sorge vor Anschlägen machten einiges aus, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Auf viele wirke der Islam kulturell fremd.

Das Gefühl der Bedrohung - im Osten wiederum etwas häufiger geäußert als im Westen - gehe quer durch alle Bevölkerungsschichten, schildert der Religionssoziologe. Solche abgrenzenden, ablehnenden Haltungen könnten gefährlich werden: «Wenn eine signifikante Gruppe innerhalb der Bevölkerung eine andere, kleinere Gruppe als Bedrohung ansieht, schadet das auf Dauer der Demokratie.» Rechtspopulisten lebten geradezu davon, den Islam als Gefahr darzustellen. Auch die AfD positioniere sich gegen den Islam, vertrete eine Ausgrenzung von Muslimen und eine Anti-Migrationspolitik.

Religiöse Toleranz sei für ein gutes Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte eine entscheidende Voraussetzung, betont die Studie. Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind demnach als tolerant anzusehen, da sie anderen Religionen ebenfalls einen Wahrheitsgehalt zusprechen.

Islam-Verbände beklagen immer wieder Ausgrenzung, Benachteiligung, Beleidigung und auch Angriffe gegen Moscheen und Muslime. Das Sicherheitsgefühl in vielen Moscheegemeinden sei «empfindlich gestört», berichtete die Islam-Organisation Ditib gerade erst nach einer Bombendrohung am Dienstag in Köln gegen den bundesweit größten Moschee-Komplex.

Die Bertelsmann-Analyse richtet den Blick aber auch auf die Akzeptanz der demokratischen Werte und Prinzipien: Diese ist bei den Angehörigen der verschiedenen Religionen breit - unabhängig von Judentum, Christentum oder Islam. Die große Mehrheit von 89 Prozent der Bevölkerung - über alle Religionen hinweg - bewertet die Demokratie als eine gute Regierungsform.

Und wie lässt sich nun den hartnäckigen Islam-Vorbehalten entgegenwirken? Die Bertelsmann Stiftung rät zu frühem Austausch und Begegnung schon in Kita und Schule. Denn der «Religionsmonitor» belege auch, dass Menschen, die regelmäßig Kontakt zu Angehörigen anderer Religionen haben, weniger skeptisch auch gegenüber dem Islam sind.

Politikwissenschaftler Pickel sagt: «Alles, was ein Zusammenkommen unterstützt, ist hilfreich.» Die Islamkonferenz reiche nicht. Es brauche viele Kontakte: «Im Ruhrgebiet passiert das durch die Zusammensetzung der Bevölkerung auf natürliche Weise, aber im Osten ist das schwierig, weil dort extrem wenig Muslime leben. Insgesamt wird das ein zäher Prozess.»

(Quelle: dpa)