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Merkel und Scholz wollen mehr Klimaschutz ohne neue Schulden

12 August 2019

Berlin - Keine Neuverschuldung für mehr Klimaschutz - diese haushaltspolitische Marschrichtung haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) vorgegeben.

«Wir können die Aufgaben, die wir stemmen, ohne neue Schulden leisten», sagte Scholz am Montag in Berlin auch mit Blick auf die geplante teilweise Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Merkel habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass sie zum Ziel eines ausgeglichenen Haushalts stehe.

Zur Finanzierung von ehrgeizigen Klimaschutzzielen hatten in den vergangenen Tagen Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz wie Karl Lauterbach und Michael Roth die Aufnahme neuer Schulden verlangt. Damit würde das Ziel eines ausgeglichenen Bundeshaushalts aufgegeben - und damit das Prinzip der schwarzen Null.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte im Sender n-tv: «Wir wollen Nachhaltigkeit.» Das heiße, «dass wir heute so leben, dass unsere Kinder auch noch etwas zum Leben haben. Das ist ein Prinzip, das gilt in der Sozialpolitik, das gilt in der Klimapolitik und auch in der Finanzpolitik».

Nach ihren Worten gibt es Spielräume. Es gelte jetzt zu klären, ob diese Spielräume genutzt werden könnten, ob sie groß genug seien oder ob möglicherweise etwas geändert werden müsse. «Aber es ist kein Grund, als allererstes zu sagen: Wir geben solide Finanzpolitik auf.»

Seibert sagte, ein ausgeglichener Haushalt werde weiterhin angestrebt. «Auch das ist Nachhaltigkeit.» Auch führende CDU-Mitglieder sprachen sich gegen Steuererhöhungen oder neue Schulden zur Finanzierung des Klimaschutzes aus.

Grünen-Chef Robert Habeck sagte zur schwarzen Null: «Es ist viel wichtiger, dass jetzt die Maßnahmen für die Zukunft ergriffen werden, auch im Sinne von Generationengerechtigkeit, als sich sklavisch an dieser haushalterischen Nummer festzuhalten.» Die Schuldenbremse lasse zu, dass der Staat in Zeiten konjunktureller Abschwünge investieren und gegen den Abschwung anarbeiten könne. «Und genau in so eine Phase rutschen wir jetzt rein.»

Am 20. September will das Klimakabinett der Bundesregierung über ein Maßnahmenpaket entscheiden, damit Deutschland nationale und international verpflichtende Klimaziele einhalten kann. Konkret geht es in der Debatte vor allem um einen CO2-Preis, der den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases im Verkehr und beim Heizen verteuern soll. Im Gegenzug sollen Bürger aber entlastet werden.

Umstritten ist zwischen Union und SPD, wie genau eine CO2-Bepreisung aussehen kann. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte eine Steuer auf das klimaschädliche Kohlendioxid als Erhöhung der Energiesteuern für Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas vorgeschlagen. Die Union bevorzugt einen nationalen Handel mit Emissionsrechten für die Bereiche Verkehr und Heizen.

Unterdessen geht die Debatte über einzelne Maßnahmen für mehr Klimaschutz weiter. Kramp-Karrenbauer hatte am Wochenende vorgeschlagen, den Klimaschutz über eine Steuerreform voranzutreiben. Sie regte unter anderem auch eine Abwrackprämie für Ölheizungen an.

Derzeit gibt es noch eine staatliche Förderung für Ölheizungen - aber nur für besonders effiziente Anlagen, wie das Wirtschaftsministerium erläuterte. Laut Umweltministerium sind neue Ölheizungen in Gebieten mit höherem Risiko von Überschwemmungen bereits nicht mehr möglich.

Der Energieverband BDEW sieht bei einem Austausch alter Ölheizungen ein erhebliches CO2-Einsparpotenzial. Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer sagte: «Eine Abwrackprämie für alte Ölheizungen kann klimapolitisch sehr relevant sein.» Das Klimakabinett müsse aber die richtigen Anreize setzen. Der Austausch sei bisher sehr kompliziert.

Würde man alle Ölheizungen durch moderne Heiztechnologien ersetzen, ließen sich insgesamt bis zu 30 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Wie aus einer BDEW-Studie hervorgeht, liegen fast die Hälfte der 5,8 Millionen Gebäude, die noch durch eine Ölheizung versorgt werden, im sogenannten gasberohrten Gebiet. Das bedeutet laut BDEW, dass mindestens 2,1 Millionen dieser Gebäude schnell und unkompliziert mit einer Gasheizung modernisiert werden könnten. Weitere 510.000 Gebäude ließen sich an das Fernwärmenetz anschließen.

Fast jede vierte Heizung ist laut Studie 25 Jahre alt oder älter, das Durchschnittsalter liege bei 17 Jahren. Rund 70 Prozent der 40,6 Millionen Wohnungen in Deutschland verfügten über eine Zentralheizung: Mit 35,7 Prozent dominiere die Erdgas-Zentralheizung, gefolgt von der Öl-Zentralheizung.

Wie das Institut für Wärme und Oeltechnik in Hamburg mitteilte, entsprechen bundesweit fast zwölf Millionen Gas- und Ölheizungen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Dementsprechend groß sei der Modernisierungsbedarf.

Die Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Simone Peter sagte: «Ölheizungen passen nicht in eine moderne, klimafreundliche Wärmeversorgung.» Statt neue Öl- und Erdgasheizungen weiter zu fördern, sei aber der vollständige Einsatz erneuerbarer Energien im Wärmesektor voranzubringen.

(Quelle: dpa)